FlatCurve: Digital durch die Corona-Krise

ruhrvalley Partnerunternehmen entwickelt Corona-App

Markus hertlein c markus hertlein

Arbeiten im Home Office, Einkaufen mit Mundschutz, Begegnungen auf 1,5 Metern Abstand. Der Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus bestimmt gegenwärtig unseren Alltag. Eine Situation, die viele Fragen aufwirft: Ist das nur ein Schnupfen oder könnte ich mich doch angesteckt haben? Wo finde ich verlässliche Informationen zur aktuellen Lage? Und welche Regelungen gelten hier vor Ort in meiner Gemeinde?

Die Antwort von Markus Hertlein und seinem Team von XignSys lautet FlatCurve. Der ruhrvalley Partner aus Gelsenkirchen hat mit FlatCurve eine App entwickelt, die dank verschiedener Funktionen das Leben mit Corona erleichtert. Im Interview mit dem ruhrvalley Management Office (MMO) erläutert Markus Hertlein, Experte für IT-Sicherheit und Mitgründer des Technologieunternehmens, welche Idee hinter FlatCurve steckt, wie die App funktioniert und welche Schritte als nächstes geplant sind.

ruhrvalley MMO: Wie ist FlatCurve entstanden?

Hertlein: Ursprünglich kommen wir ja aus dem Bereich E-Government (Electronic Governmernt) und arbeiten deshalb eng mit Kommunen, Ländern und Kreisen zusammen. Zu Beginn von Corona haben wir gemerkt, dass ein Großteil unserer Interessenten auf einmal weggebrochen ist. Außerdem haben wir festgestellt, dass es im gesamten Bereich Digitalisierung nicht mehr richtig vorangeht. Wir haben bei den Städten nachgefragt, woran das liegt. Und bekamen eine klare Antwort: Aufgrund von Corona ist eine solche Welle von Anfragen auf die Kommunen eingebrochen, dass sie Mitarbeitende aus dem Bereich Digitalisierung nun für Hotlines und ähnliches einsetzen mussten.

ruhrvalley MMO: Welche Ziele verfolgen Sie und ihr Team mit der App FlatCurve?

Hertlein: Wir wollten Kommunen bei der Bewältigung ihrer vielfältigen Aufgaben in der Krise unterstützen. Mit unserem Know-how in den Bereichen IT-Sicherheit, Kommune, Kommunikation mit Bürgern und Datenschutz können wir dazu beitragen, den Handlungsspielraum von Kommunen aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig wollten wir für die Bürgerinnen und Bürger erreichen, dass sie schneller und besser behandelt werden. Dabei war es uns wichtig, auch ihre psychische Gesundheit zu schützen, indem sie schnell und unkompliziert auf eine Beratungsleistung zugreifen können. Kommunen und Kreise sind wichtige Ankerpunkte, denn sie betreiben die Gesundheitszentren. Aber eine Kommune funktioniert nicht ohne ihre Bürgerinnen und Bürger. So sind wir auf FlatCurve gekommen. Die App ist eine Plattform, auf der sich sowohl Mitarbeitende der Kommune oder des Gesundheitsamts anmelden können als auch die Einwohner. Über FlatCurve können sie einfach miteinander agieren oder sich über die neuesten Entwicklungen in Sachen Corona informieren.

ruhrvalley MMO: Wie funktioniert die App? Und was ist das Besondere daran?

Hertlein: Wir haben die App in unterschiedliche Segmente gegliedert. Dazu gehört auch die „Corona-Erstaufnahme“. User haben die Möglichkeit, einen Fragebogen zu durchlaufen, der sich nach den aktuellen Empfehlungen des Robert Koch Instituts und der Weltgesundheitsorganisation richtet. Die Antworten werden mithilfe eines Ampelsystems vorausgewertet und die Fälle nach Dringlichkeit sortiert. Die tatsächliche Bewertung des Fragebogens wird jedoch nicht durch die App, sondern allein durch geschultes Personal der Stadt oder des Gesundheitsamtes vorgenommen. In einem digitalen Wartezimmer können städtische Ansprechpersonen die User in einen Videochat einladen und eine Empfehlung aussprechen, wie einen Besuch beim Testzentrum.

ruhrvalley MMO: Was passiert, wenn jemand positiv auf Covid-19 getestet wurde?

Hertlein: Dann ändert die App den Status der Person. Sie kann nun ein Fiebertagebuch ausfüllen und diese Daten werden regelmäßig an das Gesundheitsamt übermittelt. Das Gesundheitsamt kann dann über die App mit den betroffenen Usern in Kontakt treten.

ruhrvalley MMO: Was bietet die App über die „Erstaufnahme“ hinaus?

Hertlein: Mithilfe der App können sich die User über das aktuelle Corona-Geschehen informieren. Hier finden sie News von offiziellen Quellen, dazu gehören Beiträge aus überregionalen Zeitungen, Nachrichten von Kreisen und Ministerien sowie von der Bundesregierung. Zum anderen bietet die App die Möglichkeit, ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Wichtig dabei ist: Alle User können anonym bleiben und selbst entscheiden, welche Informationen im Netzwerk geteilt werden. Das gilt auch für Testergebnisse.

ruhrvalley MMO: Hat Ihnen die Zusammenarbeit im ruhrvalley bei der Entwicklung der App weitergeholfen? In welcher Hinsicht?

Hertlein: Mit dem Institut für Internet-Sicherheit If(is) hatten wir zuvor bereits das Projekt Smartphone Bürger ID umgesetzt. Eine Technologie, die es ermöglicht, Dokumente digital bei der Stadt zu beantragen. Bei der Entwicklung von FlatCurve konnten wir auf die Erfahrungen aus diesem großen NRW-weiten Projekt und auf die Expertise der Kolleginnen und Kollegen des Instituts zurückgreifen. Außerdem unterstützt uns die Westfälische Hochschule dabei, die App weiter nach vorne zu bringen.

Zur Zeit wird FlatCurve im Rhein Kreis Neuss erfolgreich getestet. Gleichzeitig arbeitet XignSys daran, Fragen aufzunehmen und Prozesse weiter zu schärfen. Außerdem entwickelt das Team gerade einen Social-Bereich für die App. In Zukunft sollen die User innerhalb ihrer Netzwerke die Möglichkeit haben, Leistungen wie Kinderbetreuung anzubieten und Anfragen zu schalten, etwa auf der Suche nach Unterstützung beim Einkauf.

Mitte Juni 2020 soll die Testphase abgeschlossen sein. Dann steht die App allen Bürgerinnen und Bürgern in sieben Sprachen zur Verfügung.

Das ruhrvalley Management Office wünscht viel Erfolg für den Live-Betrieb und bedankt sich für das Interview!

Bild: XignSys