Metropolen vor Ort gestalten

Interview mit Professor Dr. Norbert Wißing, Partnerschaftssprecher ruhrvalley

Nachhaltige Mobilität, Energie und Digitalisierung bleiben zentrale Themen im ruhrvalley. Die Hochschul- und Unternehmenspartnerschaft ruhrvalley – Mobility and Energy for Metropolitan Change wird für weitere vier Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Forschung an Fachhochschulen“ gefördert.

Professor Dr. Norbert Wißing begleitet ruhrvalley als Partnerschaftssprecher in diese zweite Phase. Seit März 2020 ist er im Team des Management Office dabei. Wie er dorthin gekommen ist, welche Schwerpunkte ihm besonders wichtig sind und welche Ziele die Partnerschaft verfolgt, verrät er im Interview.

Bild von Professor Dr. Norbert Wißing
Professor Dr. Norbert Wißing

ruhrvalley MMO: Seit März 2020 sind Sie als Partnerschaftssprecher für ruhrvalley tätig. Zuvor waren Sie Dekan des Fachbereichs Informationstechnik an der Fachhochschule Dortmund. Was waren wichtige Stationen auf Ihrem Weg dorthin? Und woran würden Sie gerne anknüpfen?

Wißing: Bei meinen verschiedenen beruflichen Tätigkeiten war mir eines immer wichtig: der Anschluss an die Praxis. Daran würde ich auch im ruhrvalley gerne anknüpfen. Das war schließlich auch der Ausgangspunkt meiner beruflichen Tätigkeit: 1968 habe ich eine praktische Berufsausbildung zum Fernmeldemonteur aufgenommen und meine Fähigkeiten anschließend im Studium der Nachrichtentechnik an der Fachhochschule Dortmund und der Elektrotechnik an der RWTH Aachen ausgebaut. Dabei hat mich das interdisziplinäre Arbeiten immer gereizt. Nach dem Studium habe ich in einer interdisziplinären Forschungsgruppe an der RWTH Aachen promoviert und mich gemeinsam mit Fachleuten aus Maschinenbau, Aerodynamik, Medizin und Kunststoffverarbeitung mit dem künstlichen Herzen befasst. Ich war dabei insbesondere für die fehlertolerante Steuerung des Herzens zuständig.

Kommunikation blieb mein Schwerpunkt – in der Hochschule und in der Praxis. Kern meiner Tätigkeit in der Industrie war die bedarfsgerechte Planung von Telekommunikationsanlagen. Angefangen habe ich bei Bosch im Bereich der Telekommunikation und war an verschiedenen Standorten tätig. Dabei standen Fragen im Vordergrund wie: Was können wir im Unternehmen umsetzen, damit wir eine leistungsfähige Kommunikation haben? Wie kommuniziert man am besten über verschiedene Standorte hinweg miteinander? Und wie kann eine Firmenzentrale am besten mit ihren Filialen Daten austauschen?

Zum Wintersemester 1992/1993 folgte ich dem Ruf als Professor für „Planung von privaten und öffentlichen Telekommunikationsanlagen“ an der FH Dortmund im neuen Studiengang Telekommunikationstechnik. Zu dieser Zeit war der Strukturwandel im Ruhrgebiet schon ein wichtiges Thema und die Fachhochschule hat ihr Studienangebot stets diesem Wandel angepasst, um die Veränderungen von Kommunikation im privaten und öffentlichen Bereich aktiv mitgestalten zu können. Diesen Prozess habe ich aktiv von 2005 bis 2017 als Dekan des Fachbereichs „Informations- und Elektrotechnik“ und anschließend bis 2020 als Gründungsdekan des neuen Fachbereichs „Informationstechnik“ mitgestaltet.

ruhrvalley MMO: Was reizt Sie an der neuen Rolle besonders?

Wißing: Für mich stand der Praxisbezug stets im Zentrum meiner Arbeit. Das macht für mich auch das Ruhrgebiet zu einer so spannenden Region, die lange bekannt war für die Produktion von Kohle und Stahl. Heute wird sie jedoch zunehmend von der Transformation hin zu neuen Technologien geprägt. Besonders wichtig dabei sind die Bereiche Mobilität und Energie. Im ruhrvalley setzen wir uns dafür ein, Partner zusammenzubringen und transdisziplinäre und innovative Lösungen zu finden, mit denen es gelingt, die Entwicklung von Metropolen nachhaltig zu gestalten. Dieses Potenzial auszuschöpfen reizt mich sehr.

ruhrvalley MMO: Gibt es Themen im ruhrvalley, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Wißing: Im ruhrvalley arbeiten die Hochschule Bochum, die Fachhochschule Dortmund und die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen auf allen Ebenen sehr eng zusammen – von den Zielvorstellungen bis zum operativen Geschehen. Gleichzeitig fördern sie die Zusammenarbeit mit Unternehmen wie KMUs oder Start-ups. Auf diese Weise kann eine Vielzahl von Themen behandelt werden. So werden im Zusammenhang mit der Energiewende gegenwärtig grüner Wasserstoff und Elektromobilität vielfach diskutiert. Im ruhrvalley arbeiten die Partner an beiden Schwerpunkten. Diese thematische Bandbreite finde ich sehr spannend.

ruhrvalley MMO: ruhrvalley – Mobility and Energy for Metropolitan Change startet 2021 in die Intensivierungsphase. Seit 2017 wird der Hochschul- und Unternehmensverbund vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Was sind Ihre Ziele für ruhrvalley in den kommenden vier Jahren?

Wißing: In den kommenden Jahren würde ich gerne dazu beitragen, die Partnerschaft weiter zu verstetigen und ein Innovationsökosystem zu schaffen, von dessen Lösungen und Produkten die Menschen in der Metropole Ruhr und darüber hinaus profitieren.

Mit unseren Partnern wird es uns gelingen, Fragen, die etwa der Klimawandel aufwirft, gemeinsam anzugehen. Diese Stärke wollen wir in Zukunft ausbauen, indem wir neue Forschungsimpulse setzen. Unter dem Stichwort Smart Metropolis sollen in Zusammenarbeit mit Kommunen Mobilitäts- und Energiekonzepte für den digitalen Raum entstehen, die den Menschen vor Ort direkten Nutzen bringen.

Zentral ist außerdem die Zusammenarbeit mit den anderen Initiativen im ruhrvalley. Gemeinsam mit dem ruhrvalley Start-up-Campus möchten wir auch in Zukunft Firmengründungen unterstützen und auch zur Lehre wollen wir im Rahmen der Ruhr Master School beitragen.

Mehr über das BMBF-Programm Forschung an Fachhochschulen auf www.forschung-fachhochschulen.de.