Fair.be

umweltschonende und zukunftsfähige Mobilität für alle

Foto von Helen Kessel und Michael Roch

fair.be – so heißt das Fahrradauto, an dem das Team des ruhrvalley Projekts „RS1 Mobil“ arbeitet. Doch hinter fair.be verbirgt sich mehr als nur ein Fahrzeug. 2020 konnten Helen Kessel und Michael Roch die Jury des Förderaufrufs „NRW Start-up Transfer“ des Landes Nordrhein-Westfalen mit ihren Plänen überzeugen, aus fair.be ein soziales Geschäftsmodell zu entwickeln. Wie das später einmal aussehen soll und welche Ziele sie damit verfolgen, erläutern Helen Kessel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Innovationsforschung und -management, und Michael Roch, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, im Interview.

ruhrvalley MMO: Wofür steht fair.be und warum habt ihr diesen Namen gewählt?

Roch: fair.be“ steht für unser Ziel, Mobilität, unsere Unternehmungen und unser Unternehmen fair zu gestalten. Wir arbeiten daran, ein schall- und abgasemissionsfreies Fahrzeug zu entwickeln und dessen Nutzung zu ermöglichen. Somit tragen wir einen Teil zur Mobilitätswende vom fossil angetriebenen PKW hin zu zukunftsfähigen und umweltschonenden Möglichkeiten des Personentransportes bei. Das Fahrradauto wird inklusiv sein, weil es von Menschen mit Behinderung gefertigt wird und mit wenigen spezifischen Umbauten auch von ihnen genutzt werden kann. Fair zu sein, bedeutet für uns außerdem, transparent zu sein: etwa im Hinblick auf Kosten, Herkunft der Komponenten und open source-Veröffentlichungen der Konstruktion.

ruhrvalley MMO: Welches Ziel verfolgt ihr mit eurem Mobilitätskonzept?

Kessel: Unsere Motivation ist es, die nachhaltige Elektromobilität mit fahrradähnlichen Fahrzeugkonzepten gesellschaftsfähig zu machen. Mobilität ist ein menschliches Grundbedürfnis, die Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und auch ein Kriterium, das viele Menschen mit Freiheit verbinden. Die meisten Menschen greifen aus Bequemlichkeit oder einem vermeintlichen Mangel an Alternativen zum Automobil. Sehr viele Menschen, wie Personen ohne Führerschein oder mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen, sind von der vermeintlich „bequemsten“ Art der Mobilität ausgeschlossen. Wir möchten mit unserem Vorhaben leichte und zugleich nachhaltige Elektromobilität voranbringen und damit vor allem auch Menschen den Zugang ermöglichen, die beim Mobilitätswandel oft vergessen werden.

ruhrvalley MMO: Wie kann der Einsatz von fair.be in der Praxis aussehen?

Kessel: Im ersten Schritt werden wir gemeinsam mit der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen ein Fahrzeug bauen, das von der Diakonie selbst produziert und vor Ort zugleich für den Werksverkehr und den Personentransport eingesetzt wird. Hierfür gibt es bereits mehrere Einsatzszenarien. So profitieren etwa mobile Pflegedienste im innerstädtischen Raum davon, dass das fair.be als Fahrrad zugelassen ist. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind interne Hol- und Bring-Dienste und das selbstständige Pendeln der Beschäftigten.

Roch: Stellen Sie sich vor, sie lassen Ihr Auto heute einmal stehen! Mit fair.be bringen Sie erst Ihr Kind zur Schule und fahren dann weiter zur Arbeit – auf dem Radweg vorbei am Stau. Auf dem Weg kommen Sie in einen kurzen Regenschauer, der Ihnen jedoch geschützt durch Dach und Windschutzscheibe nichts ausmacht. So fahren Sie direkt vor den Haupteingang und parken fair.be am Fahrradständer. Dank des abschließbaren, geräumigen Kofferraums ist auch der Einkauf auf dem Weg schnell verstaut.

Foto vom Bau des Mock-ups des Fahrradautos fair.be
Beim Bau des Mock-ups von fair.be

ruhrvalley MMO: Wie geht ihr bei der Entwicklung des Mobilitätskonzepts vor und welche Aspekte sind dabei besonders wichtig?

Roch: In unserem derzeitigen Projekt RS1 Mobil geht es um die Konzeption eines Fahrzeugs für möglichst viele Einsatzszenarien, nach dem Motto „one fits all“. Zunächst steht der erste Prototyp im Fokus. Er dient zur Evaluation von Antriebskonzept, Nutzbarkeit und haptisch-ergonomischen Anforderungen. Zwei darauffolgende Prototypen werden das Fahrzeug verbessern, Kosten senken und zur Kleinserienreife führen.

Kessel: Seit Januar 2021 setzen wir unsere Arbeit an fair.be im Förderprojekt Start-up NRW.transfer fort. Gemeinsam mit der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen planen wir, ein Proof of Concept für die Montage weiterer Prototypen zu realisieren und die Fahrzeuge direkt einzusetzen. So ist es sehr gut möglich, technische Anpassungen und Verbesserungen umzusetzen. In der engen Zusammenarbeit mit der Diakonie können wir unser Vorhaben und Geschäftsmodell evaluieren und ausbauen.


weiterführende Informationen

Mehr über die Konzeption des Fahrradautos fair.be und eines umfassenden Mobilitäskonzeptes lesen Sie in der neuen ruhrvalley Broschüre RS1 Mobil - Konzept für eine nachhaltige, urbane Individualmobilität

Dieses und weitere Interviews lesen Sie im aktuellen ruhrvalley Jahresbericht 2020